Liberia: Ein Ort voller Geheimnisse. Entdecke eine dramatische Vergangenheit und ein Volk voller Hoffnung.

Liberia, Roberts International Airport. Auf dem Vorfeld sind weisse Transporthubschrauber mit UN-Logo aufgereiht. Das Empfangsgebäude ist notdürftig zusammengeflickt, doch UN-Mitarbeiter haben einen eigenen kleinen Terminal. Hier sitzen auch zwei Mitarbeiterinnen der liberianischen Grenzkontrolle und drücken Einreisestempel in die Pässe. Sie repräsentieren den Staat Liberia und zeigen damit auch, dass es kein Protektorat ist, das die Vereinten Nationen ausüben. Nur ohne Vereinte Nationen läuft in diesem Land eben auch nichts. Sichtbar wird dies an den Checkpoints mit UN-Blauhelmen, die auf der Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt in regelmässigen Abständen auftauchen.

Liberia hat viel hinter sich, zu viel für einen Staat. Es hatte sogar länger als zehn Jahre ganz aufgehört zu existieren. Liberia war ein trauriges Beispiel eines sogenannten „gescheiterten Staates“. Dieser konnte seinen Bürgern nichts bieten, nichts mehr garantieren, weder Sicherheit noch Versorgung. Zu viel war dies auch für dessen Bewohner, die, soweit sie nicht geflohen sind, unvorstellbare Grausamkeiten ertragen mussten.

Liberia, das „befreite Land“, an der Westküste Afrikas gelegen, wurde von freigelassenen Sklaven aus den USA und der Karibik besiedelt. (Wahlspruch: „The Love of Liberty brought us here!“) Diese errichteten 1847 eine Republik nach US-amerikanischem Vorbild und beherrschten mehr als 150 Jahre die Geschichte des Landes. Die Urbevölkerung, immerhin 95 Prozent, wurde ausgegrenzt und unterdrückt. Manche sprechen von einer schwarzen Apartheit, in der die afroamerikanische Minderheit 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes innehatte. Vetternwirtschaft, Korruption und Despotismus prägten Liberia lange Zeit. Die Präsident-schaftswahlen von 1927 schafften es später sogar in das „Guiness-Buch der Rekorde“ als schlimmste Wahlfälschung der Geschichte überhaupt. In den 1970er Jahren ist Liberia im Ausland hauptsächlich wegen seines Schiffsregisters bekannt geworden. Günstige Tarife führten dazu, dass weltweit immer mehr Reeder ihre Schiffe unter liberianischer Flagge fahren liessen. Auch heute ist Liberia die zweitgrösste Schifffahrtsnation der Welt. 1980 wurde die ameriko-liberianische Elite durch Offiziere mit indigener Herkunft unter der Führung von Samuel Doe gestürzt und eine Vielzahl von ihnen öffentlich hingerichtet. Doe herrschte ebenso autokratisch und nicht weniger korrupt. Dies war gleichzeitig der Beginn einer lang anhaltenden Instabilität, die im Jahr 1990 in einen Bürgerkrieg mündete.

Die staatlichen und wirtschaftlichen Strukturen lösten sich nach und nach auf. Erst im Jahr 2003 wurde Liberia mit Hilfe massiver UN-Präsenz befriedet.



Ausblicke auf Ruinen in Monrovia



Ehemals funktionierende Strommasten – heute von der Natur erobert
Liberia

Hauptstadt: Monrovia
Fläche: 99,067 km2

Monrovia – die dunkelste Hauptstadt der Welt

Die Hauptstadt Monrovia hat rund eineinhalb Millionen Einwohner und liegt direkt am Atlantik. Es ist alles sehr grün, Mangrovensümpfe und Wälder, Bananenstauden und Palmen säumen die Strasse. Kein Wunder, das Land liegt wenige Grad nördlich des äquators. Das Jahr ist aufgeteilt in eine Trocken- und eine Regenzeit, beide dauern rund sechs Monate. Es ist immer feuchtheiss, mehr als 30 Grad, Tag wie Nacht. Auf der rund 40 Kilometer langen Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt stellt sich eine gewisse Aufregung ein: Sieht man die Spuren des Bürgerkriegs? Wie stark ist das Land noch zerstört? In den Vororten kommen dann ein paar windschiefe Strommasten ins Blickfeld mit nutzlos herabhängenden Drähten. Es gibt Überlandleitungen, die im Nichts enden und deren Masten malerisch von Pflanzen bewuchert sind. Monrovia gilt als die dunkelste Hauptstadt der Welt. Es gibt keinen Strom und kein fliessendes Wasser. Erst vor kurzem konnte das erste Stück Strassenbeleuchtung wieder in Betrieb genommen werden, ein grosser Schritt auf dem Weg zu so etwas wie Normalität. Ansonsten werden die Einwohner jeden Abend von der Dunkelheit verschluckt, die höchstens von Autos, Kerzen oder Handys beleuchtet wird. Licht und Strom haben nur diejenigen, die sich einen der laut lärmenden Dieselgeneratoren leisten können. Doch auch der Nachschub an Benzin und Diesel muss organisiert werden. Es gibt keine einzige funktionierende Tankstelle, Benzin wird in Schraubgläsern verkauft.

Es gibt viele Ruinen, denn kaum ein Haus wurde in 15 Jahren Bürgerkrieg verschont, fast alles wurde geplündert und niedergebrannt. Um diese Gebäude herum haben die Bewohner der Hauptstadt zwischenzeitlich ihr neues Leben aus Holz, Blech und Steinen organisiert. Man sieht, welche Materialien gerade vorrätig waren, um die kleinen Hütten zu errichten, mal war es ein wenig Dachpappe, mal Blechteile oder etwas Holz für die Seitenverkleidung. Die Ruinen einiger ehemaliger Prachtbauten, wie das Gebäude der Freimaurerloge oder ein paar Hotels, strecken ihre Betonskelette weit sichtbar in den Himmel. In manchen dieser Wracks haben sich Flüchtlinge mehr schlecht als recht eingerichtet.


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